In vielen Fällen werden Funkprodukte in die EU eingeführt und verkauft, ohne dass die Sendeleistung jemals konkret geprüft wird. Datenblätter enthalten oft grobe Angaben, Begriffe wie „low power“ oder „standard output“ werden übernommen, und die Dokumentation wirkt auf den ersten Blick ausreichend. Das Problem entsteht erst, wenn konkrete technische Details verlangt werden. Behörden, Marktüberwachung oder Plattformen erwarten exakte Angaben – und genau hier zeigt sich, dass diese häufig fehlen oder nicht korrekt dokumentiert sind.
Typische Situationen sind:
- Anfrage der Bundesnetzagentur
- Prüfung im Rahmen der RED-Konformität
- Anforderungen von Marktplätzen
- technische Beanstandungen im Markt
Wann die Angabe der Sendeleistung verpflichtend ist
Die Pflicht zur Angabe der Sendeleistung ergibt sich aus der Radio Equipment Directive (RED). Sie gilt für alle Geräte, die Funkwellen senden oder empfangen. Die Sendeleistung ist dabei ein zentraler Parameter für die Bewertung der elektromagnetischen Verträglichkeit und der effizienten Nutzung des Frequenzspektrums.
Das bedeutet:
- sie ist Teil der Konformitätsbewertung
- sie muss vor dem Inverkehrbringen feststehen
- sie muss dokumentiert und nachvollziehbar sein
Ohne diese Angabe kann die Konformität nicht vollständig bewertet werden.
Was konkret angegeben werden muss
Die Angabe der Sendeleistung muss technisch präzise und eindeutig sein. Allgemeine oder vereinfachte Angaben reichen nicht aus. In der Regel wird die Leistung als EIRP (Equivalent Isotropically Radiated Power) angegeben.
Typische Anforderungen sind:
- maximale Sendeleistung (z. B. in mW oder dBm)
- Bezug auf konkrete Frequenzbereiche
- ggf. unterschiedliche Werte für verschiedene Modi
Diese Angaben müssen konsistent erscheinen in:
- technischer Dokumentation
- Konformitätserklärung
- Benutzerinformationen
Warum diese Angaben oft falsch sind
In der Praxis entstehen viele Fehler, weil technische Daten ungeprüft übernommen oder vereinfacht dargestellt werden. Die tatsächliche Sendeleistung wird oft nicht verstanden oder nicht korrekt gemessen.
Typische Ursachen sind:
- Herstellerangaben werden ungeprüft übernommen
- Messwerte fehlen oder sind unklar
- verschiedene Betriebsmodi werden nicht berücksichtigt
- Angaben sind nicht konsistent zwischen Dokumenten
Diese Probleme führen dazu, dass die Angaben im Prüfungsfall nicht belastbar sind.
Welche Rolle Sie als Importeur haben
Als Importeur sind Sie dafür verantwortlich, dass alle technischen Angaben vollständig und korrekt sind. Sie müssen die Sendeleistung nicht selbst messen, aber sicherstellen, dass die Angaben vorhanden und nachvollziehbar sind.
Das bedeutet:
- Sie müssen die Angaben prüfen
- Sie müssen deren Plausibilität bewerten
- Sie müssen sie im Ernstfall vorlegen können
Fehlen diese Angaben oder sind sie unklar, wird das Produkt als nicht konform bewertet.
Was im Prüfungsfall passiert
Wenn die Sendeleistung geprüft wird, erfolgt ein Abgleich zwischen den angegebenen Werten und den tatsächlichen technischen Eigenschaften des Produkts. Dabei wird nicht nur ein Dokument betrachtet, sondern die gesamte Struktur.
Typischer Ablauf:
- Anforderung technischer Daten
- Vergleich von Dokumenten
- ggf. technische Tests
- Bewertung der Konformität
Abweichungen oder fehlende Angaben führen schnell zu Maßnahmen.
Typische Szenarien aus der Praxis
In realen Fällen zeigen sich immer wieder ähnliche Fehlerbilder. Diese entstehen meist durch fehlende Struktur oder unklare Verantwortlichkeiten.
Typische Szenarien sind:
- ein Gerät hat mehrere Betriebsmodi, aber nur eine Leistung wird angegeben
- Werte unterscheiden sich zwischen Datenblatt und Dokumentation
- Angaben sind zu allgemein formuliert
- Leistungsgrenzen werden überschritten, ohne dass dies dokumentiert ist
Diese Konstellationen führen dazu, dass die Konformität nicht nachgewiesen werden kann.
Welche Konsequenzen drohen
Fehlende oder falsche Angaben zur Sendeleistung können erhebliche Konsequenzen haben. Die Bewertung betrifft dabei nicht nur einzelne Parameter, sondern die gesamte Konformität des Produkts.
Mögliche Folgen sind:
- Verkaufsverbot
- Rückruf aus dem Markt
- Entfernung von Plattformen
- Bußgelder
Zusätzlich kann eine Prüfung dazu führen, dass weitere Produkte Ihres Portfolios untersucht werden.
Der entscheidende Punkt
Die Sendeleistung ist kein technisches Detail, sondern ein zentraler Bestandteil der RED-Konformität. Ohne korrekte Angaben kann die Nutzung des Frequenzspektrums nicht bewertet werden.
Zentrale Fragen sind:
- Sind Ihre Werte korrekt
- Sind sie vollständig dokumentiert
- Sind sie konsistent angegeben
Wenn diese Punkte nicht erfüllt sind, entsteht ein strukturelles Risiko.
Fazit
Die Pflicht zur Angabe der Sendeleistung wird häufig unterschätzt, ist aber entscheidend für die Zulässigkeit eines Funkprodukts in der EU.
👉 Das Problem ist nicht die Angabe selbst
👉 Das Problem ist die fehlende technische Tiefe dahinter
Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre technischen Angaben korrekt und vollständig sind, sollten Sie diese prüfen lassen.
Wir analysieren:
- Ihre technischen Dokumente
- die Konsistenz Ihrer Angaben
- konkrete Risiken im Bereich RED
Bevor diese im Prüfungsfall sichtbar werden.
Hinweis: Unsere Leistungen erfolgen ausschließlich im Rahmen der Unternehmens- und Compliance-Beratung. Eine Rechtsberatung ist ausdrücklich nicht Bestandteil unseres Angebots!
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